Stolperstein

Ein Stolperstein für Otto Päulgen

Rede des Vorsitzenden des Heimatvereins Niederschelderhütte, Erhard Mengel

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger!

Auch wenn wir uns besseres Wetter gewünscht hätten, darf ich Sie alle zu dieser Gedenkfeier für Otto Päulgen sehr herzlich begrüßen und willkommen heißen. Schön, dass Sie – viele von Ihnen ja aus dem Raum Siegen – den Weg hierher in die Augustastraße nach Niederschelderhütte gefunden haben.

Mein besonderer Gruß gilt Euch, liebe Angehörige der Familie Päulgen, den Neffen, Großneffen und Urgroßneffen von Otto Päulgen.

Von der Ev. Kirchengemeinde begrüßen wir Herrn Pfarrer Rolf Fersterra, und von der Ortsgemeinde Herrn Bürgermeister Christan Peter sehr herzlich.

Mit diesem Gruß – in den ich gerne die Mitglieder des Gemeinderates und die Mitarbeiter des Bauhofes einschließe – möchte ich auch den Dank für die sehr positive und tatkräftige Unterstützung unseres Vorhabens durch die Gemeinde zum Ausdruck bringen.

Und es liegt mir am Herzen, an dieser Stelle an Herrn Maik Köhler zu erinnern, mit dem die ersten guten Planungsgespräche geführt worden sind.

Einen lieben Gruß auch an die Vertreterinnen der Presse.

Dass wir heute hier stehen, dass der Stolperstein zum Gedenken an Otto Päulgen gleich hier verlegt wird, ist vor allem das Verdienst von Ihnen, lieber Herr Fries. Seien Sie herzlich gegrüßt. Sie haben nach einer Begegnung mit Heidrun und William Päulgen im Aktiven Museum in Siegen, bei der Ihnen das Leid von Otto Päulgen bekannt wurde, aufwändige und professionelle Recherchen geführt und Ihnen verdanken wir ein umfassendes Bild von dem Menschen Otto Päulgen, seinem Leben und seinem Schicksal.

Sie werden uns gleich davon berichten.

Für diese viele Monate lange und mühsame Erinnerungsarbeit sei Ihnen von Herzen gedankt.

Herr Fries war es auch, der den Kontakt zu dem Künstler Gunter Demnig hergestellt und die – nicht immer einfachen – Gespräche geführt hat. Die Auftragsvergabe zur endgültigen Anfertigung des Stolpersteins, die Terminfindung und die Übernahme der Kosten haben wir dann gemeinsam verabredet.

Bislang hatte Herr Demnig immer darauf bestanden, die eigentliche Verlegung persönlich vorzunehmen, doch im Zusammenhang mit der Pandemie zog sich Herr Demnig von den Verlegungen zurück, so dass wir fast freie Wahl hatten, denn die Hygienebestimmungen setzten bekanntlich für lange Zeit enge Grenzen.

Doch jetzt sind wir hier und das ist gut.

Erinnerungsarbeit, die Pflege des kollektiven Gedächtnisses gehört zu den Kernaufgaben unseres Heimatvereins. Die Gegenwart steht immer auf den Schultern der Vergangenheit und gute Zukunft kann man nur haben, wenn man um das Vergangene weiß. Erinnerungen zu wecken und deren Flamme am Lodern zu halten, ist unsere fortwährende Arbeit.

Heute jedoch hat das Erinnern einen ganz besonderen Stellenwert, ein ganz besonderes Gewicht. Wir erinnern an einen Menschen, an Otto Päulgen. Wir erinnern an ein nicht gelebtes Leben. An einen Menschen von hier – da steht sein Elternhaus – an einen Menschen aus der Augustastraße, von Niederschelderhütte. An einen von uns, dem in einer unfassbar menschenverachtenden Weise Lebensglück und Lebensfülle verwehrt, der erst unsagbar gedemütigt, dann weggesperrt und schließlich ermordet wurde.

Das löst tiefe Trauer und Scham aus.

Wir können das Geschehene nicht rückgängig machen. Aber das können und wollen wir, laut und deutlich, hier und jetzt, öffentlich vor aller Augen und Ohren, dem Namen Otto Päulgen mit dieser Feier und diesem Gedenkstein seine Ehre und seine Würde wiedergeben.

Darum soll der Stolperstein, der gleich seinen Platz gegenüber dem Elternhaus von Otto Päulgen finden wird, ein Zweifaches tun:

einladen und mahnen.

Einladen zum liebevollen Gedenken an einen lieben Menschen,

Mahnen zum aktiven Erinnern.

Es wäre mir sehr lieb, dass, wann immer Menschen diesen Gedenkstein mit ihren Augen und Herzen wahrnehmen, ihnen der wichtigste Satz unseres Gemeinwesens fest in den Sinn kommt:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Ich danke Ihnen.